Großbrand im Bad Harzburger Hof

Über 300 Einsatzkräften bekämpften ein Großfeuer am ehemaligen Hotel Harzburger Hof, Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis und sogar Sonderfahrzeuge aus der Landeshauptstadt Hannover waren vor Ort. Mit im Einsatz war auch der ELW 2 des Landkreises Goslar, der in diesem Jahr mit EDP4 ausgestattet wurde.

Am Sonntag den 17. Juli 2016 wurde die Bad Harzburger Feuerwehr um kurz nach halb zehn mit Vollalarm für alle Einsatzkräfte und dem Stichwort Gebäudefeuer in die Kurhausstraße alarmiert. Für einen Großteil dürfte es wie ein Déjà-vu vorgekommen sein, denn es war nun schon das dritte Mal in knapp zwei Jahren, dass ein Großbrand im ehemaligen Hotel Harzburger Hof ausgebrochen war.

Bereits während der Anfahrt stieg eine große schwarze Rauchsäule über dem Objekt auf. Bei der ersten Lageerkundung zeigte sich ein Vollbrand mit starker Rauchentwicklung und bereits offenem Feuer und meterhohen Flammen im nordöstlichen Teil des Harzburger Hofes. Das Feuer drohte sich auf den gesamten Gebäudekomplex auszubreiten. Durch den südwestlichen Wind zog der Rauch genau in Richtung Herzog-Juliusklinik – ging es Schlag auf Schlag. Weitere Alarmstufenerhöhung: Vollalarm für die komplette Feuerwehr der Stadt Bad Harzburg, Anforderung der Löschzüge Goslar und Langelsheim und die Alarmierung der Feuerwehr Vienenburg mit dem Schlauchwagen (SW 2000).

Zeitgleich wurde ein erster Löschangriff über die Drehleiter und der Innenangriff mit Einrichtung eines Depotgeschosses und einer kompletten Löschstaffel eingeleitet. Der Innenangriff musste allerdings bereits nach gut einer dreiviertel Stunde aufgrund der massiven Brandausbreitung abgebrochen werden.

Im weiteren Verlauf der Brandbekämpfung und dem Eintreffen der überörtlichen Einsatzkräfte wurden mehrere Wasserwerfer und Hubrettungsfahrzeuge mit Wenderohren um das ganze Gebäude herum in Einsatz genommen. Durch den Einsatzleiter, Stadtbrandmeister Jürgen Volk, wurde von der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) der Einsatzleitwagen mit EDP4 ausgestattete ELW 2 (besetzt und betrieben durch die Ortsfeuerwehr Harlingerode), zur Abwicklung der umfangreichen Einsatzstellekommunikation und dem Führen einer Lagekarte und der Wechsellader mit dem Abrollbehälter Atemschutz angefordert. Ebenso wurde der Kreisbrandmeister Uwe Fricke zur Einsatzstelle beordert und die Pressegruppe, sowie die Messleitungskomponente der Kreisfeuerwehr alarmiert. Zur Sicherstellung des Brandschutzes im restlichen Stadtgebiet, wurde die Goslarer Ortsfeuerwehr Oker alarmiert. Sie besetzte bis zum späten Abend mit einem Führungsfahrzeug und zwei Löschfahrzeugen ihre Feuerwache in der Hüttenstraße und stand so für parallele auflaufende Einsätze schnell zur Verfügung.

Lageerkundung aus der Luft

Wie auch beim ersten Großbrand im Jahr 2014, unterstütze die Polizei Niedersachen die Lageerkundung mit Hilfe eines Hubschraubers. Nach kurzer Zwischenlandung am Golfplatz, wo der Kreisbrandmeister zustieg, überflog er mehrere Male die Einsatzstelle und macht Luftaufnahmen, die direkt im Einsatzleitwagen zur Lageauswertung und weiteren Einsatzplanung genutzt werden konnten.

Hilfe aus der Landeshauptstadt

Da die eingeleitete Brandbekämpfung auch nach geraumer Zeit keinen gewünschten Löscherfolg brachte, wurde von der Einsatzleitung ein Sonderlöschzug aus der Landeshauptstadt, von der Berufsfeuerwehr Hannover angefordert. Mithilfe ihres Teleskopmastes (TLK) mit 54 Meter Arbeitshöhe, konnte man dann auch an die baulich bedingt schwer erreichbaren Brandstellen kommen. Eine weitere Komponente des Hannoveraner Zuges, ein Großtanklöschfahrzeug mit 10.000 Liter Wasser, was zur Einspeisung der TLK gedacht war, konnte als Redundanz in Standby bleiben, da die Förderleistung der eigenen Ressourcen ausreichte. Durch Mitarbeiter der FTZ wurden parallel 3.500 Liter Schaummittel aus der Feuerwache Bad Harzburg zur Einsatzstelle gebracht, um für einen späteren Schaumeinsatz bereit zu stehen.

Um die Löschwasserförderung zu verstärken und die Brandbekämpfung noch weiter zu intensivieren, wurden die Feuerwehren Seesen (Schlauchwagen und Tanklöschfahrzeug zur Wasserförderung) und ein weiterer Löschzug aus Braunlage angefordert.

Insgesamt wurden aus dem Bereich der Radau, des Eichenteiches, einem unterirdischem Löschwasserbehälters und aus dem städtischen Hydranten-Netz in der Kurhausstraße 10 B-Versorgungsleitungen zur Brandbekämpfung an die Einsatzstelle, zu den jeweiligen Löschfahrzeugen verlegt. Somit wurden zu Spitzenzeiten rund 8.000 Liter Löschwasser pro Minute gefördert und über eine Vielzahl an Wasserwerfern und Monitoren abgegeben. Insgesamt 1.600.000 (1.600 Kubikmeter) Liter Wasser waren nötig, um den Brand unter Kontrolle zu bringen.

Schadstoffmessungen rund um die Einsatzstelle

Durch mehrere Messfeuerwehren/-trupps, unter Leitung der Messleitung der Kreisfeuerwehr, wurde an mehreren Stellen an der Einsatzstelle und im Stadtgebiet Bad Harzburg Umweltmessungen auf Schadstoffe durchgeführt. Die Messergebnisse zeigten keine relevanten Schadstoffwerte – die Anwohner wurden nur vorsorglich aufgefordert Fenster und Türen zu schließen.

Gegen 15.00 Uhr zeigte der nun massive Löscheinsatz und der Einsatz des Teleskopmastes der BF Hannover endlich Wirkung. Nach einer Überprüfung im Inneren des Gebäudes konnten nur noch vereinzelte Brandnester im Dachbereich und in den Zwischendecken ausfindig gemacht werden.

Mit ca. 2.000 Litern Schaummittel wurde nun ein massiver Schaumeinsatz über den Teleskopmast eingeleitet und der gesamte, vom Brand betroffene Bereich, mit Schwerschaum abgedeckt werden.

Nach knapp 10 Stunden Einsatz konnte am Abend „Feuer aus“ an die Leitstelle nach Goslar gemeldet werden.

Text und Fotos: Feuerwehr Bad Harzburg / Florian Karlstedt